Samstag, 20. Mai 2017

Suppenhund {samstagsplausch}

"Dogs never bite me - just humans."

"Hunde beißen mich nie - nur Menschen."

Marilyn Monroe


GEWECKT: hat uns mitten in der Nacht vorgestern der Lockenhund, weil er merkte, dass seine Innereien durcheinander geraten waren...  Der liebe Herr Holunder wurde dafür belohnt, dass er mit dem armen Magen-Darm Hund um 3 Uhr nachts am nahen Feldrand entlang lief - mit bezaubernden Nachtigallengesang.

GESCHWITZT: die Wärme der letzten Woche ließ mich die luftigen Sommerquilts, die ich letztes Jahr genäht hatte, für das Bett hervor holen. Mit einem zarten Baumwolltuch drunter sind sie einfach perfekt.


GEPFLÜCKT:  auf der Hunderunde Wiesenbocksbart, Günsel, Ackerwitwenblume, Teufelskralle und Klappertopf (immer nur ein Exemplar und nur dort, wo sie reichlich wachsen...)
Allein der herrlichen Namen wegen, lohnt sich das Nachschlagen daheim (falls sie mir nicht gleich schon so wieder einfallen, bei der Teufelskralle war ich mir unsicher).

GEFREUT: dass sich am 15. wieder so viele und auch neue Teilnehmer an der Eye-Poetry-Challenge eingefunden haben. Anschauen lohnt sich.

GEFUNDEN: ein feines Gedicht für die Eye-Poetry #05. Habt Ihr Lust? Nur zu!

GEHABT: einen Gedankenblitz zu dem Neruda-Gedicht. Dann kann ich gleich schon beginnen.


GESEHEN: fast täglich die Berge mit Schneehauben. Da scheint ein Walnussbaum im Vordergrund zu stehen, die kämpfen nämlich immer noch mit den Folgen des Spätwintereinbruchs

GENÄHT: ein paar Sommertops für die Mädels und einen Kleiderschnitt ausgewählt

GEKAUFT: Blumen für die Kübel, Kästen und Töpfe, Bücher...

GELESEN: Christa Wolf: Kassandra (was wieder meine Griechenlandsehnsucht weckte) und die ersten Seiten von Margaret Atwood: Hexensaat (Teil des Shakespeare-Projektes. Ich werde nach dem Lesen berichten) 


GELERNT: dass die kleinen blauen und weißen Blümchen am Waldrand Hasenglöckchen sind. Ob sie wohl ausgewildert wurden? Ich hab die dumpfe Vermutung, dass hier öfters Gartenabfälle hingekippt wurden.

GEHÖRT und GEDACHT: weniger ist manchmal mehr "Boulevard of Broken Dreams" in schöner Bearbeitung

GEKOCHT: Canihua-Schokoladen-Pudding. Gesund und auch noch lecker. Ich musste dringend was für meinen Serotonin-Haushalt tun...

Ja, und was ist jetzt aus dem armen Lockenhund geworden? Der bekommt jetzt nach einer 24 Stunden Diät und homöopathischen Globuli Schonkost, z.B. die Moro'sche Möhrensuppe. Für den Menschen entwickelt, dann in Vergessenheit geraten, schließlich mit dem Umweg über die Vierbeiner als Heilmittel wiederentdeckt.
Nach einem Tag Hunger schlappt der arme Suppenhund den Napf leer (sonst eher ein Suppenkasper).

An diesem Wochenende werde ich mich mal an meine Pläne für das Neruda-Gedicht machen und ein Sommerkleid für das große Lockenmädchen nähen. Ach ja, Rucola wollte ich auch noch aussäen.

Und Ihr?

verlinkt bei Andreas Samstagsplausch

Dienstag, 16. Mai 2017

Eye - Poetry # 05 - Die kreative Herausforderung für Mai / Juni


Gestern öffnete sich die Link-Party für Eure kreativen Beiträge zur 4. Ausgabe der Eye Poetry. Wieder war ich so fasziniert über die Spannbreite der Inspirationsvarianten.
Wer noch mitten im kreativen Prozess steckt oder jetzt erst damit startet, hat noch bis zum 14.6. Zeit, sein Werk zu verlinken. Also es lohnt sich, im Lauf der nächsten Wochen immer mal wieder hinein zu schauen und zu staunen.  

Heute aber lassen wir die Stürme des Lebens hinter uns. Den Monat Mai begleitet doch ein Hauch von Romantik und Sehnsucht, somit ist er prädestiniert für ein Liebesgedicht.  Findet Ihr nicht auch?
Dazu fällt Euch doch gewiss etwas ein! Nutzt ruhig die Bandbreite der Möglichkeiten aus, egal ob ihr etwas strickt, stickt, klebt, malt, fotografiert etc..
Aber nun zum Gedicht.

Als Ricardo Eliecer Neftali Reyes Basolato wurde er in Chile 1904 geboren, Wir kennen ihn unter dem Namen Pablo Neruda, ein Pseudonym, das er als Schriftsteller wählte, um Konflikten mit Familienmitgliedern, vornehmlich seinem Vater, aus dem Weg zu gehen.
Seine Tätigkeit als Diplomat und politischer Schriftsteller, führte ihn auch nach Europa und Asien. Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen den Faschismus ziehen sich durch sein ganzes Lebenswerk. 1971 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Zwölf Tage nach dem Putsch Pinochets in Chile 1973 erlag er angeblich seinem Krebsleiden. Sein Haus wurde nach seinem Tod vom Militär verwüstet.

Das Gedicht "Die Königin" schrieb Neruda für seine spätere (dritte) Frau Matilde Urrutia.

Die Königin

Ich hab dich zur Königin ernannt.
Größere gibt es, größer als du.
Reinere gibt es, reiner als du.
Schönere gibt es, schöner als du.

Doch du bist die Königin.

Wenn du durch die Straßen gehst,
erkennt dich keiner.
Niemand sieht deine Krone aus Kristall, niemand schaut
den Teppich aus rotem Gold,
den jeder Schritt von dir betritt,
den Teppich, der gar nicht da ist.

Und wenn du erscheinst,
rauschen alle Flüsse
in meinem Körper auf, rütteln
die Glocken am Himmel,
und ein Hymnus erfüllt die Welt.

Nur du und ich,
nur du und ich,
meine Liebe,
hören ihn tönen.

Pablo Neruda


Bei manchen Gedichten habe ich das Gefühl, dass sie erst leben, wenn man sie laut spricht. Auch wenn Ihr des Spanischen nicht mächtig seid, ist  diese kurze Aufnahme dieses Gedichtes, in der Sprache, in der es geschrieben wurde, bestimmt sehr inspirativ.


Am 15. Juni werde ich  nachfragen, was Euch an interessanten Ideen in den Sinn gekommen ist. Vom 15. Juni bis zum 14. Juli habt Ihr dann wieder Zeit zum Verlinken.

Hier noch einmal die Spielregeln:

Eure Möglichkeiten sind weit gefächert, je größer am Ende die Vielfalt, desto interessanter ist es doch.

* Eye Poetry - was ist damit gemeint?
"Lyrik fürs Auge" -  Literarisches für das Auge umgesetzt.

* Idee:
An jedem 16. eines Monats stelle ich ein Gedicht, ein Zitat oder ein kurzes Stück Prosa vor.
Wir haben einen Monat Zeit,  einen ganz persönlichen kreativen Weg zu finden, den Text für das Auge umzusetzen, zu interpretieren und in eine neue, eigene Form zu gießen.
Die Form ist frei. Möglich sind z.B.

- Foto, Fotoserie
- Darstellung in gemalter, gezeichneter, collagierter, gestempelter ... etc. Form
- künstlerische Installation
- Genähtes, gestricktes, gesticktes, gefilztetes etc. Objekt
- Filmchen
- ...

Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen.
Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür gerade die Zeit übrig ist. Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle.

* Vorstellung
Teilnehmen könnt Ihr mit einem eigenen Blog-Posting. Am 15. des Folgemonats verlinkt Ihr die Darstellung Eurer Ergebnisse auf meinem Blog.
(Am besten, ihr sucht für das Thumbnail-Image, das dann hier auf dem Blog erscheint, Euer Ergebnis aus).
Spannend wäre es, wenn Ihr Eure Idee und den Weg dahin schildern würdet. Am Ende sollte auf jeden Fall das  Objekt / Foto/ Bild/ ... stehen mit dem zugrunde liegenden Zitat.

Bedingung ist nur, dass es keine älteren Beiträge sind und/oder die nicht in Zusammenhang mit unserem Projekt erstellt wurden. (Kommerzielle oder Werbung tragende Links sind unerwünscht, da bitte ich um Euer Verständnis).

Gern dürft Ihr diesen Button mit auf Euren Blog nehmen:


Viel Spaß! Wir treffen uns mit unseren Ergebnissen dann hier am 15. Juni wieder!

Sonntag, 14. Mai 2017

Eye - Poetry # 04: Zeigt doch mal her!


Da hat uns Murakamis Sandsturm jetzt bis zum 15. Mai geweht. Manch einer hat sich vielleicht ein bisschen schwer mit dem Textauszug getan. Einem anderen ist es eventuell sehr nahe gegangen. Es kommt immer darauf an, wieviel man zulassen kann und möchte.
Ich bin auf jeden Fall ungemein gespannt auf Eure Einfälle und Umsetzungen!
(Und ab morgen gibt es ein neues, entspannteres Thema...).

Wer sich nicht mehr erinnern kann, worum es geht, schaut hier gern bei der Aufgabenstellung der Eye Poetry noch einmal nach.

"Hin und wieder hat das Schicksal Ähnlichkeit mit einem örtlichen Sandsturm, der unablässig die Richtung wechselt. Sobald du deine Laufrichtung änderst, um ihm auszuweichen, ändert auch der Sturm seine Richtung, um dir zu folgen. [...]


Und wenn der Sandsturm vorüber ist, wirst du kaum begreifen können, wie du ihn durchquert und überlebt hast. Du wirst auch nicht sicher sein, ob er wirklich vorüber ist. Nur eins ist sicher. Derjenige, der aus dem Sandsturm kommt, ist nicht mehr derjenige, der durch ihn hindurchgegangen ist. Darin liegt der Sinn eines Sandsturms."

Haruki Murakami ("Kafka am Strand")


Dieses Mal habe ich ganz bewusst eine Technik ausgewählt, die ich eigentlich sonst überhaupt nicht benutze, nämlich die Collage.  Eine Aufgabe, die ich erst einmal vor mir hergeschoben habe.... Am liebsten hätte ich eine Choreographie zu dem Thema geschrieben, vielleicht ist es mir gelungen, sie in die Collage einfließen zu lassen? Auf jeden Fall war es für mich eine gewisse Herausforderung.
Mein Mantra war immer ein Zitat aus meinen "Spielregeln": Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen. 
Da ich den Roman Murakamis gerade erst wieder frisch gelesen hatte, flatterten natürlich Motive daraus, die mich bewegt haben, mit in die Collage, aber eher zufällig und nur wenn sie sich in mein Thema einfügten.   

Eine Interpretation unterlasse ich. Momentan habe ich das Gefühl, inmitten eines solchen Sandsturms zu stehen und zu hoffen, heil und gesund wieder heraus zu kommen... 

Idee: Versuch ganz intuitiv Ausschnitte zu sammeln. Nicht bewusst nach Motiven aus dem Roman suchen, zulassen, wenn sie mit hinein möchten.  Innere Bilder bestimmen lassen.   
Medium: Ausschnitte aus Atlas (Blatt Japan), Zeitschriften, Büchern, Karten; Wassermalfarben für den Hintergrund, Pastellstifte, Tintenzeichner





Aber jetzt seid Ihr an der Reihe. Was ist Euch zu diesem Textauszug eingefallen? Wie war Eure Vorgangsweise? Wie habt Ihr Euch dabei gefühlt?

Falls Ihr Probleme beim Verlinken haben solltet, schreibt bitte den Link in Euren Kommentar, so dass ich versuchen kann, hilfreich einzugreifen.


Hier geht es zur Verlinkung: (bitte beachten - der jüngste Beitrag wird immer zuoberst aufgeführt) : 

°°°

Samstag, 13. Mai 2017

Servatius kommt heute nicht zum Kaffee {samstagsplausch}

"Traue keinem Zitat, das du nicht selber aus dem Zusammenhang gerissen hast."

Johannes Rau



GEWUSST: heute haben wir mit Servatius den 2. (im Süden) bwz. 3. (im Norden) Eisheiligen. Er wird auch bei Frostschäden und Rattenplagen um Beistand gebeten (falls Ihr da mal Bedarf haben solltet), aber heute schaut er mal nicht vorbei.

GEWARTET: darauf, dass ich endlich draußen im Garten werkeln kann, dass ich endlich Pullover, Jacken und Stiefeletten wegpacken kann, dass es gesundheitlich endlich bergauf geht, dass endlich meine Kreativität anfängt Funken zu schlagen,  etc...

GEFREUT: über die schönen Frühlingsblumen. Ich mag Bachnelkenwurz sehr gern und war begeistert über diese tolle Stelle mit einem ganzen Bachnelkenwurzwald.


GELESEN: Ann Patchett: "Die Taufe". Der Roman um das Schicksal einer Patchworkfamilie über 50 Jahre hat mir wirklich gut gefallen. Im Original heißt er "Commonwealth", was auch viel besser passt. Wer denkt sich immer so merkwürdige deutsche Titel aus?? Gestern habe ich begonnen mit Haruki Murakami: "Von Beruf Schriftsteller".

GENERVT: darüber, dass die Zahl der Baustellen und Umleitungen hier am Bodensee immer weiter zunimmt. Eigentlich fahre ich nur noch Um- und Schleichwege (die beste Art seine Heimatregion kennenzulernen...) . Wenn die Touristen im Sommer anrollen, wird das noch schlimmer.

GESCHAFFT: endlich, dass Fotobuch für meine Eltern zusammenzustellen.


GELUNGEN: endlich eine Collage für die Eye-Poetry # 04 zu beginnen. Es wird ja auch bald Zeit, am Montag ist schließlich schon der 15.

GEFUNDEN: ein feines Gedicht als nächste kreative Herausforderung. Ich hoffe Ihr werdet es genauso mögen wie ich. Am Dienstag, den 16. werde ich es hier vorstellen.

GEWÜNSCHT: ich würde so gern diese neue kanadische Verfilmung sehen. Und ganz ehrlich: ich habe die Bücher nie gelesen - sieht aus, als müsste ich diese Bildungslücke mal endlich schließen.



GEGUCKT: öfters mal nach oben. Man entdeckt so manches. Fliegende Regenschirme oder himmlische Ausrufezeichen...

GEKLICKT: Spannend: unsere Mütter, wie wir sie noch nie gesehen haben (Our Mothers as we never saw them, aus der New York Times) 


Gartenwetter! Heute werden wir bei dem feinen Kräuter- und Pflanzenstand auf dem Markt kräftig zulangen. Am Wochenende wollen wir endlich mal die Terrasse und den Garten angehen. Dann kann ich am Montag noch zum Gartencenter fahren. Ha, ich liebe das, Flowershopping!  Schnee und Eis hatten wir ja bis in den April hinein, da dürfen die Eisheiligen gern dieses Jahr mal ausbleiben.
Unsere Glyzinienlaube bietet leider noch keinen Schatten für sonnige Tag in der nächsten Woche. Die Glyzinie muss nach ihrem Schneecrash ganz neu nachlegen.

Mögt Ihr es in Blumenkästen und -töpfen bunt durcheinander oder habt ihr bestimmte Farbvorlieben? Was sind die Lieblingspflanzen und -farben in dieser Saison in Euren Pflanzkübeln? Ich lass mich gern inspirieren!


verlinkt bei Andreas Samstagsplausch und Katjas Himmelsblick.





Freitag, 12. Mai 2017

12 von 12 im Mai

Nachdem der gestrige Tag eher stressig war, habe ich mich entschlossen, heute nur zwölf nette Dinge dieses Tages zu sammeln. Es ist richtig angenehm, sich nur auf Erfreuliches zu konzentrieren und den Rest auszublenden.


1 Vogelgesang auf der Hunderunde


2 einen Bläuling gesehen und auch noch fotografieren können


3 einen lieben und gehorsamen Begleiter gehabt, der keinen Unsinn getrieben hat


4 in den herrlichen blauen Himmel mit feinen Wölkchen geschaut


5 ganz viel frisches Obst in das Porridge getan 


6 mit meinem Beitrag für die Eye-Poetry weiter gekommen


7 mit Erfolg das neue Kochbuch getestet


8 vom Essplatz aus die Spatzenschar beobachtet


9 endlich mal auf der Terrasse ein bisschen planen können


10 einen schönen Wald- und Wiesenblumenstrauß gepflückt 


11 den Lockenhund mit Herrchen zur Hundephysiotherapie schicken können


12 Lektüre beenden, weiterführen und beginnen können

Ob es woanders an diesem 12. Mai auch so viel Erfreuliches gab, könnt Ihr bei Caro (draußennurkännchen) kontrollieren.

Montag, 8. Mai 2017

Auf der Suche nach dem schöpferischen Funkenschlag

Im April erhielt ich auf meine kreative Challenge "Eye-Poetry"  einen leider gänzlich anonymen Kommentar. Wenn ohne Namen kommentiert wird, nehme ich mir die Freiheit heraus, grundsätzlich nicht zu veröffentlichen, egal was geschrieben wird.

In diesem speziellen Fall war es besonders schade, denn die Schreiberin/der Schreiber sprach da ein Thema an, dass mich selber oft betrifft.
Anknüpfungspunkt war mein Satz bezüglich der Challenge:

"Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen. Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür er gerade die Zeit übrig hat.
Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle."  

Die/der Kommentartor/in meint dazu [...] "Dann kann ich täglich darüber meditieren und vielleicht vielleicht endlich den nörgelnden Kritiker in mir zum Schweigen bringen, der jeden schöpferischen Funken erstickt, bevor eine wärmende Flamme erwächst. Ich lerne wieder hoffen. [...]"

Kennt Ihr diesen beschriebenen nörgelnden Kritiker in Euch auch?
Ich schon.



Wie einfach war es als Kind, da habe ich mit großer Begeisterung gemalt und gezeichnet. Im Grundschulalter musste ich lange im Krankenhaus liegen und zeigte meinen Eltern stolz, dass im Krankenhausflur mehrere Bilder von mir aufgehängt worden waren. Mitschüler baten mich um Hilfe, wenn zum Beispiel die Aufgabe lautete, das Wappen von Nordrhein-Westfalen zu zeichnen - springende Pferde malen, war doch ein Kinderspiel...  Noch heute kann ich mich an mein grandioses Wassermalfarbenbild in der Schule erinnern: knallblauer Himmel, sattgrüne Wiese mit schwarzweiß gescheckten Kühen. Der irritierte Blick der Lehrerin störte mich überhaupt nicht. Ha! Was für Farben!

Die große Zäsur kam mit dem Übergang ins Gymnasium. Was habe ich schon im ersten Jahr dort im Kunstunterricht gelernt?  Eine künstlerische Arbeit, sei sie auch noch so gut, aber nicht zum Abgabetermin (in den Augen des Lehrers) komplett fertig, wird mit einem "ungenügend" benotet. Kunst hat nichts mit Spaß zu tun und schon gar nichts mit kreativen Funken.
Dass mich Kunst und Kunstgeschichte eigentlich doch berührte und sehr interessierte, merkte ich erst (wieder) in der Oberstufe, traute mich aber nicht mehr, einen prüfungsrelevanten Kurs zu belegen.
Inzwischen hatte sich längst der nörgelnde Kritiker mit der Schere in meinem Kopf festgesetzt und haust seit Jahrzehnten da oben.



Beim Nähen kann ich ihn mittlerweile übertönen und mich kreativ austoben: passt schon, ist mir doch egal, ich lass das jetzt so!!! (Ganz lieben Dank an die beiden Lockenmädchen, die alles anziehen, was ich ihnen nähe!!! Noch.)
An anderen Stellen bin ich ihm entkommen, weil ich in Bereichen tätig war, die er nicht kannte (aus meiner Schulzeit): z.B. in der Theaterpädagogischen Arbeit mit Kindern, beim Fotografieren.

Aber wenn ich auf manche Blogs blicke, die ich so gerne lese, und die wunderbaren kreativen Werke bewundere, die da von den BloggerInnen geschaffen werden, dann bin ich mir sicher, so etwas nicht zustande bringen zu können.

Deshalb fand ich mich selber recht verwegen, als ich Anfang des Jahres wagte, die "Eye-Poetry"-Challenge ins Leben zu rufen. Auch für mich ist sie immer wieder eine Herausforderung. Literatur ist für mich sicheres Terrain - der Sprung in den Pool der kreativen Gestaltung eine Überwindung...

Für das April/Mai-Thema würde ich nur zu gerne eine Choreographie schreiben. Ein Kinderspiel!
Stattdessen werde ich mich an eine Collage wagen ("Das kannst Du gar nicht. Dir fällt nix dazu ein," jammert der Nervtöter im Kopf schon wieder). Sei's drum.

Wie geht es Euch damit?
Seid Ihr schnell im kreativen Flow oder geht es Euch wie mir?  

Samstag, 6. Mai 2017

"War es das mit dem Frühling?" {samstagsplausch}

"Geht nicht auf das Wetter los,
wenn es sich nicht hin und wieder ändern würde,
könnten neun von zehn Leuten kein Gespräch beginnen."

Ken Hubbard (1868 - 1930)


Genauso stelle ich mir ja den typischen Maihimmel vor: herrlich blau als Hintergrund für dieses absolut grandiose Frühlingsblättergrün.
Gestern tat er mir mal den Gefallen, ansonsten gab es eher spannende Wolkenberge, auch mal Gewitterhimmel und Grau mit Hoffnungsschimmer. Wer einen Einstieg für Smalltalk brauchte, wurde auf jeden Fall fündig. Wobei man es als Hundebesitzer diesbezüglich sowieso einfach hat (das ist der eine von den zehn Leuten, der das Gespräch NICHT mit dem Wetter beginnt, sondern Bezug auf den Vierbeiner nimmt :-).



GEWÜNSCHT: in die Gärtnerei zu gehen und mich mit Pflanzen für die Terrasse einzudecken und mich dort ein bisschen auszutoben.

GESÄT: Mangold, Bechermalven

GEPACKT: die Gelegenheit beim Schopfe. Wenn schon keine anderen gärtnerischen Tätigkeiten gefragt sind, dann mache ich mal im Nähzimmer klar Schiff. Die erste Hälfte ist geschafft.

GEPLANT: der Reihe nach in jedem Zimmer mal wieder Überflüssiges auszusortieren. Irgendwie fühle ich mich nach solchen Aktionen immer sehr leicht und befreit.


GEKNIET: zum Fotografieren vor den Maiglöckchen, wenn ich endlich einmal vorwitzige mit offenen Blüten entdeckt habe. Sie warten wohl auf  die richtigen Temperaturen - dann wird es hier Heerscharen von blühenden Maiglöckchen geben!

GENÄHT: nur den "Dutchman's Puzzle" Block

GEWERKELT: an einem Geschenk für meine Eltern

GEMERKT: dass auch andere Menschen, die viel draußen in der Natur unterwegs sind, wahrnehmen, dass es immer weniger Singvögel, Bienen und Hummeln gibt (Smalltalk Thema dieser Woche anstatt Wetter oder Hund. Vorsicht: wird schnell politisch...).


GELESEN: Anthony McCarten: 'Licht'. Zwar habe ich jetzt einiges über die Elektrifizierung der USA, den Stromkrieg zwischen George Westinghouse und Thomas Alva Edison, über Edisons Persönlichkeit, die Rolle des Bankiers J.P. Morgan und des Wissenschaftlers Nikola Tesla  und vieles mehr gelernt, aber irgendwie hat mich der Roman nicht wirklich gepackt.

GEGRÜBELT: über mein eigenes Projekt für die Eye-Poetry # 04

GEPUSTET: Pusteblumen.


Derzeit stehen bei uns immer ein paar Wiesenblumen auf dem Tisch. Mal schauen, was ich sonst noch so an Blumen auf dem Markt finde.
Der samstägliche Marktbesuch ist ja bei uns Tradition. Habt Ihr auch so ein "Wochenendritual" ?

verlinkt bei Andrea/ Karminrot (samstagsplausch) 
bei Katja/ dieraumfee (In Heaven)

Freitag, 5. Mai 2017

"Dutchman's Puzzle" - mit Wind und Wildgänsen durch den Mai

Nun ja, es ist ja eigentlich keine Überraschung mehr, was ich am Monatsanfang so nähe. Schließlich steht der Mai-Block des Quilt-Along 6 Köpfe - 12 Blöcke  an. Katharina von Greenfietsen hat ein gut bebildertes, ausführliches Tutorial für den "Dutchman's Puzzle" veröffentlicht.    

Das passt wieder perfekt zum Monat und zum Wetter, denn zum einen kann man darin ein Windmühlenmotiv sehen und zum anderen setzt es sich aus "Flying Geese" Elementen zusammen. Wildgänse und Wind hat es hier derzeit reichlich.

Meine Idee war, dieses Mal neuen und  alten Stoff in das Puzzle einzufügen. Das heißt, den letzten noch nicht verwendeten "neuen" Stoff und einen alten, also irgendwann in den ersten Blöcken erscheinenden Stoff einzusetzen.


Wie man sieht, schleichen sich auf diese Weise die Katzen vom Jahresbeginn ganz vorsichtig wieder ein...
Eigentlich war der graue Stoff am Anfang gar nicht in meiner Stoffauswahl. Gut, dass ich den im Fundus hatte, denn so ein neutraler Hintergrund ist manchmal ganz praktisch.


Bislang ist mein Lieblingsblock der "Dresden Plate" vom April. Den werde ich demnächst mal für andere Zwecke ausprobieren.


Gell, irgendwie sind das Frühlingsfarben?


Ein bisschen rätsele ich, was für eine Stofffarbe ich benutze, um die einzelnen Blöcke voneinander zu trennen. Habt Ihr da eine Idee? Ich hab ja noch ein paar Monate Zeit...



Montag, 1. Mai 2017

Wiedersehen mit Herrn Murakami und Kafka Tamura {Bücherwelt}

Kennt Ihr das auch, dass ihr Bücher zu Euren Lieblingsbüchern zählt, sie aber seit Jahren nicht mehr zur Hand genommen habt?

Mir ging am Anfang des Jahres durch den Kopf, solche Bücher mal wieder aus dem Regal zu ziehen und ein zweites Mal zu lesen. Wird sich das Buch eher als eines herausstellen, das geradezu perfekt in einen bestimmten (vergangenen) Lebensabschnitt passte, oder spricht es mich immer noch genauso an?

Vor rund 10 Jahren las ich mit großer Begeisterung mein erstes Buch des Japaners Haruki Murakami "Kafka am Strand". Ich reihte es ein unter dem Label "Lieblingsbücher". Mal schauen, ob ich es dort noch stehen lassen möchte.





Worum geht es?
Der 15jährige 'Kafka' - so nennt er sich selbst -Tamura verlässt heimlich Elternhaus und Schule in Tokio, um sich selbstständig durchzuschlagen. Er lebte dort allein mit seinem Vater, einen bekannten Bildhauer, mit dem ihm emotional nichts verbindet. Mutter und Schwester verließen die Familie, als der Junge erst vier Jahre alt war. Selbst ihre Namen kennt er nicht mehr.
Mit seiner Flucht begibt er sich einerseits auf die Suche nach sich selbst, andererseits möchte er dem väterlichen Fluch entkommen, der ihm prophezeite, das Schicksal des Ödipus teilen zu müssen, also seinen Vater zu töten und mit seiner Mutter (und Schwester) zu schlafen.
Während der junge Tamura mit dem Bus auf die Insel Shikoku fährt, eilt er diesem Mythos, dem er entkommen möchte, aber eher entgegen.
So findet er in einer Privat-Bibliothek Unterschlupf, schließt dort freundschaftliche Bande mit dem Angestellten Oshima und verliert sein Herz an Saeki, die beide besondere Geheimnisse mit sich tragen, Warum ist er plötzlich blutbefleckt, was hat er mit dem Mord an seinem Vater zu tun,  was verbirgt sich für ein zeitloser Ort inmitten des Waldlabyrinths, stimmt seine Hypothese, wer seine Mutter ist?
Ein weiterer Protagonist ist der über 60jährige Nakata, der nach einem überaus mysteriösen Ereignis in seiner Kindheit 1944 in ein Koma fiel.  Sein Bewusstsein erlangte er danach zwar wieder, ohne aber jemals wieder Lesen, Schreiben oder andere intellektuelle Fähigkeiten  erlernen zu können. Auch der Hälfte seines Schattens ging er dadurch verlustig. Dafür kann er nun mit Katzen in deren Sprache kommunizieren und scheint verantwortlich für einen von ihm vorhergesagten Regen von Fischen und Blutegeln zu sein.
Nach einem mystischen Mord sieht er sich veranlasst, sich auf eine abenteuerliche Reise zu begeben, ohne Ziel oder Grund zu kennen. Unterwegs trifft er auf Hoshino, einem Fernfahrer, in dem er einen aufgeschlossenen Begleiter und Beschützer findet, der so selber auf eine Reise zu sich selbst gerät.
Der junge Kafka Tamura und der alte Nakata werden sich nie persönlich treffen, aber ihre Wege kreuzen sich auf mehreren Ebenen.    



Ihr merkt es schon, Haruki Murakami ist Meister im Jonglieren von skurrilen Ideen, Fantasyelementen, antiken Mythen und Märchenbildern.  
Für Kafka Tamuras und Nakatas Geschichte nimmt er zum Beispiel Anleihen in griechischen Tragödien auf. Eine Reise wie Odysseus, ein Fluch wie Ödipus, ein Besuch in der Unterwelt wie Orpheus - aber immer nur ein Faden, der dann wieder anders weitergesponnen wird.
Kunstvoll werden Fäden gelegt, verflochten, verzaubert, und werden dann irgendwann sorgsam abgelegt.
So bleibt zum Beispiel das Rätsel um Nakatas lange Bewusstlosigkeit nach den mysteriösen Schulausflug 1944  ungelöst. Waren es vielleicht Außerirdische? Geheime militärische Versuche? Die Ursachen bleiben ungeklärt, die Deutung offen.
Wer krampfhaft alles deuten muss, gerät in Gefahr, die Lust am Lesen zu verlieren. Wer sich darauf einlassen kann, einfach genießt, die Lebensweisheit erkennt, wird mit Spannung bis zur letzten Seite belohnt.

Murakami-san, Sie haben mich mit ihrem Buch auch beim zweiten Lesen mit den surrealen Welten, die Sie errichten, den Lebensfragen, die Sie darin aufbauen, den Figuren, denen Sie liebevoll Leben einhauchen, verzaubert.
Ihren Doppelroman "1Q84" habe ich vor zwei Jahren auch schon genossen. Ich glaube, ich habe Lust auf ein neues Abenteuer.  

Wer sich kreativ auf ein Zitat aus "Kafka am Strand" einlassen möchte, hat bei der Eye-Poetry # 04 Gelegenheit dazu.
Dazu müsst ihr das Buch nicht gelesen haben, individuelle surreale Ideen sind erwünscht.

Kennt Ihr das Buch? Wie hat es Euch gefallen?