Dienstag, 19. September 2017

Sophie Divry: "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" {Bücherwelt}

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, Euch jeden Monat mindestens eine Bücher-Neuerscheinung vorzustellen. Im September sind es nun zwei neue Bücher, die darum gerungen haben, welches meine Lieblingsneuerscheinung sein würde. Dieser Roman aus Frankreich hat das Ziel knapp verfehlt, obwohl er mit viel Witz und sprachlicher Kreativität daherkommt.  




Das Cover von Sophie Divrys Roman fiel mir gleich ins Auge - knallroter Umschlag und ausgestanzte Hörner mit Durchblick auf den schwarzen Bucheinband. So setzte  das Buch gleich forsch den Fuß in die Tür, denn der Titel "Als der Teufel aus dem Badezimmer kam" allein hätte mich nicht neugierig gemacht.

"Jede einzelne Biographie lässt sich gliedern wie ein Geschichtsbuch, inklusive Eiszeiten und Revolutionen." (Sophie Divry)

Der Roman findet seinen Handlungsort in Frankreich, genauer in Lyon. Das ist nicht unwichtig, denn die aktuelle gesellschaftspolitische Situation spielt eine Rolle.
"Heldin" (als solche wird sie ganz im klassischen Stil bezeichnet) der Geschichte ist Sophie, zwar reich an (Aus-)bildung, aber ansonsten arm an finanziellen Mitteln und ohne Job. Ihre Stelle als Journalistin hatte sie verloren, die Arbeiten als freie Mitarbeiterin gingen aus. Nun ist sie auf Sozialhilfe angewiesen. Doch während die Stromrechnung pünktlich eintrifft, bleibt plötzlich die staatliche Grundsicherung aus, die Bürokratie hat mal wieder zugeschlagen, es fehlt irgendeine schriftliche Bestätigung.

Sophie hat mit sechs Brüdern eine idyllische Kindheit verbracht. Ihren Brüdern ist es gelungen, sich "eine Existenz aufzubauen": Karriere, Haus, Kinder, soziales Netz, Wohlstand.   Sophie traut sich beim Familienfest nicht, sie in ihre eigene, missliche Situation einzuweihen.
Das gute, reichhaltige Essen am Familientisch verträgt sie gar nicht mehr, mittlerweile ist der Hunger in ihre kleine Behausung eingezogen.



"Wie langsam die Zeit vergeht, wenn man kein Geld hat."

Es sind diese Momente, in denen sich  Sophie nach Geschmack auf der Zunge sehnt, die letzten Euros sorgfältig für Basisnahrungsmittel verplant, Kleidungsstücke aus einer Mülltonne zieht, die einem beim Lesen beklommen schlucken lassen. Die Zahl der sozialen Kontakte ist zusammengeschrumpft, Sophie rutscht allmählich in die Isolation. Wer ihr bleibt, ist der Leidensgenosse Hector und imaginär Lorchus, ihr persönlicher Dämon, der sie in Versuchung führen möchte.

Trotzdem ist der Roman kein depressives Trauerspiel, denn Sophie lässt sich denn doch nicht entmutigen, stürzt sich tapfer in die neue (aber leider wieder frustrierende und ernüchternde) Tätigkeit als Hilfskraft in der Gastronomie und schreibt einen Roman. Genau! Den Roman, den wir gerade besprechen.

"Meine Erschöpfung zeigte mir, dass mein Körper sich wieder in das tätige Leben eingegliedert hatte, die einzige anerkannte Form von Leben, und die, die am schwersten zugänglich ist."

Die Form des Romans ist modern, mutig, experimentell, heiter. Hier sprüht die Autorin vor Einfällen, lässt viel Humor und Witz walten. Was auffällt, ist eine große sprachliche Kreativität, Lust auf Wortneuschöpfungen, Einfließen literarischer Texte und Bezüge wie z.B. Barockdichtung, Filmelemente, Internetchats und konkreter Lyrik.
Sogar eine der Romanfiguren, ihr bester Freund Hector, beginnt sich zu verselbstständigen und versucht Typographie und Handlungsablauf "seiner" Sequenzen zu bestimmen.

Den Roman  aus dem Französischen zu übersetzen war aufgrund seiner Vielzahl an Sprachspielereien und literarischen Bezüge, wie auch durch die Gebundenheit an das Sozialsystem Frankreichs gewiss kein Kinderspiel.
In Frankreich herrscht eine weitaus höhere Arbeitslosigkeit als in Deutschland. Der ganze bürokratische Ablauf und die Behörden sind natürlich andere als hier (aber bestimmt mit ähnlichen Problemen...).
Dort wurde der Roman schon für mehrere Literaturpreise nominiert, den Prix Top Virilo hat er bereits erhalten.

Ich habe ihn mit großem Interesse und Spaß an Divrys Witz und Sprachideen gelesen, aber irgendwie fehlte etwas, dass der Funke ganz überspringt, dass ich mich ganz in die "Heldin" einfühlen konnte. Ob es daran liegt, dass Vieles einfach nicht ins Deutsche übersetzt und transferiert werden kann, oder mir persönlich die Bezüge zu Frankreich fehlen?
Ansonsten ein Roman, der mal kreative, moderne Wege geht, es mit einem schwierigen Thema aufzunehmen.

Danke an den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar.

Sophie Divry: Als der Teufel aus dem Badezimmer kam. (Originaltitel: Quand le diable sortit de la salle de bain)
Ullstein, Erscheinungstermin 22. September 2017

Montag, 18. September 2017

Zehn Fakten über den Schulanfang und mich

Astrids  aktuelle Linkparty auf ihrem Blog Le monde de kitchi hat diesen Monat das Thema "Schulanfang", ein feiner Anlass, mal in Erinnerungen zu kramen.

1 Da fange ich gleich mal mit einem Geständnis an: ich kann mich überhaupt nicht an meine Einschulung erinnern. In meiner Erinnerung ist nur ein großer Hund hängen geblieben, der mir damals freilaufend auf dem Weg zur Schule begegnet ist. Natürlich fand ich den Hund grandios, worüber alles andere offensichtlich nur noch nebensächlich blieb (dass mein Berufswunsch Tierärztin war, wisst Ihr ja schon lange...).  

2 Meinen Lederranzen, ein Geschenk meiner Patentante, habe ich noch vor Augen. Im Ranzen befand sich auch eine kleine Tafel, Schwämmchen und ein Griffel. Lesen haben wir gleich mit der Ganzheitsmethode gelernt. Mein Bruder, der wenige Jahre später eingeschult wurde, lernte wieder nach einer vollkommen anderen Methode lesen - eine Herausforderung für die Eltern.

3 Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich gut Namen oder Gesichter einprägen kann, aber wie meine Erstklasslehrerin und meine erste Sitznachbarin  hießen und aussahen, weiß ich heute noch. Vor den ersten Unterrichtsstunden im Turnen graute mir, da musste man sich doch umkleiden. Ein Problem, weil ich noch keine Schleifen binden konnte. Mein Vater erfand daraufhin eine Spezialschleifenbindemethode für mich, eine andere habe ich nie gelernt. (Mittlerweile hat sie den jahrzehntelangen Praxistest überstanden und könnte vielleicht beim Patentamt angemeldet werden, hm.)

4 Meine beiden ersten Schuljahre waren Kurzschuljahre und dauerten nur vom April bis November 1966 und  Dezember bis Juli 1967. Kurz war auch mein Schulweg, den wir immer als Kindergruppe zusammen laufen konnten, ohne eine größere Straße überqueren zu müssen.

5 In der eh schon so kurzen zweiten Klasse fehlte ich gleich 43 Tage, weil ich am Herzen operiert wurde. Eine Zeit im Krankenhaus, an die ich mich noch recht genau erinnere, während die Grundschulzeit eher einem verblassten Foto gleicht. Das Versäumte scheine ich wohl recht gut aufgeholt zu haben, wenn ich mir so meine Zeugnisse anschaue. Bis auf die Handarbeit...

6 Am meisten gehasst habe ich die Handarbeitsstunden, was auch später im Mädchen-Gymnasium so blieb. Wenn die verzweifelten Handarbeitslehrerinnen von damals gewusst hätten, dass ich später Kinder und Enkel einkleiden oder Quilts nähen werde, hätten sie nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Dafür hatte unsere neu gebaute Schule aber ein kleines, feines Schwimmbecken, wo ich im vierten Schuljahr endlich das Schwimmen lernte.

7 Obwohl ich gerne Neues lernte und am Anfang jedes neuen Schuljahres begeistert die neuen Schulbücher aufschlug, hat mich die Unterrichtsrealität immer sehr enttäuscht. Ich bin wirklich nicht gern zur Schule gegangen. Nachdem ich mein Abi in der Hand hatte, schwor ich mir, dieses Schulgebäude nie wieder  im Leben zu betreten, was ich bis heute auch nicht getan habe.

8 Natürlich habe ich zur Einschulung eine Schultüte bekommen, ein Foto im Album meiner Eltern beweist es. Die Schultüten unserer  Töchter haben wir selber gebastelt und mit kleinen, oft selbstgemachten Geschenken gefüllt. Ich sehe gerade - die Mädels trugen zur Einschulung Kleider, die ich selber genäht habe.

9 Meine älteste Tochter wurde in die neue kleine Schule eingeschult, die wir mit anderen Eltern und Lehrern gegründet hatten.

10 Die beiden jüngeren Töchter haben am ersten Schultag einen Schweizer Fellranzen bekommen. "Schulthek" heißt er übrigens dort.


Danke Astrid, für diese kleine Zeitreise!

Samstag, 16. September 2017

Poesie {samstagsplausch}

"What can be explained is not poetry."

(Was erklärt werden kann, ist keine Poesie.)

William Butler Yeats


GETROTZT: den Wetterunbilden. Kühl ist es geworden, nass und leider sehr windig. Letzteres vertrage ich in dem Ausmaß gerade nicht wirklich. Der See hat dabei ein bisschen Meer gespielt.

GEKAUFT: einen Herbstpullover. Endlich darf man sich wieder einmummeln.


GELAUFEN: abends Richtung Abendrot. Morgenrot ist mir noch zu früh.

GEDACHT: mit Blick nach oben: jetzt sollte ich aber umkehren! Vom Hügel aus kann man gut sehen, wie sich die Regenwand heranschiebt.


GELESEN: Elena Lappin: In welcher Sprache träume ich? Die Geschichte meiner Familie.
Wirklich gut!

GESEHEN: Schafe, Galloway-Rinder und Pferde auf den Weiden.


GEFRAGT: wie wenig Kühe hier bei uns auf den Weiden stehen. Wenn man nur über die Grenze zur Schweiz fährt, bietet sich gleich ein anderes Bild.

GELACHT: Gar nicht so einfach, wenn sich ein Pferd mal hinter dem Ohr kratzen möchte


GENÄHT: aus  alten Jeans zwei pfiffige Kindertobehosen, upcycling...

GESTAUNT: über den herrlichen Sonnendruck, den mir Eva geschickt hat. Nochmals danke!!!

GESCHNITTEN: mit dem Schnitzmesser in den Finger. Ich schaffe es auch, mir mit der superscharfen Stoffschere in den Finger zu schneiden. (Messer, Gabel, Schere, Licht.... )


GEMOCHT: die Farben des Herbstes. Sie kommen bei Sonnenschein doch am besten zur Geltung. (Das Fallobst wurde vom Lockenhund dann aber als nicht so lecker empfunden. Mäkelguste...)

GESCHAFFT: endlich einen Friseurtermin zu machen.


GEBRUMMT: hat es bei den Bienenstöcken, wo der Imker zu Gange war. Ich hätte gern ein bisschen zugeschaut, aber das ist mir mit dem Hund zu heikel. Der schnappt nach Insekten...

GESUCHT: nach der Erinnerung an meine Einschulung, um an Astrids Linkparty teilzunehmen. Aber in jenen Jahren war anderes wichtiger, so scheint es. Ich werde mich mal ans Schreiben begeben.

GEWUNDERT: Habt Ihr auch schon Eure/n Doppelgänger/in im Museum gefunden?


GESTARTET: die Eye-Poetry # 09 mit einem Lieblingsgedicht von W.B. Yeats. Macht Ihr mit?

GEBASTELT: an meinem Beitrag zur Eye-Poetry # 08 (die noch bis zum 14.10. läuft, also hier kann man sofort spontan noch einsteigen). Der braucht etwas Vorlauf, ihr werdet dann sehen warum...


GEFREUT: darüber, dass in unserem Garten noch einiges los ist. Der Chili legt an Farbe zu und meine Rose schenkt mir noch eine Blüte.

GEFUNDEN: diesen schönen Spruch: Leave room in your garden for the fairies to dance...
Das Plätzchen zum Tanzen sollten die Elfen bei uns problemlos in der Gartenwildnis finden.

GECLICKT. Meine Favoritin für America's got Talent dieses Jahr: die gehörlose Sängerin Mandy Harvey


Am Wochenende werde ich mich intensiv in mein Eye-Poetry Werk stürzen (möglichst ohne weitere Verletzungen), ein bisschen nähen und noch einmal unseren Bekannten zu Besuch empfangen, bevor er wieder nach Vermont fliegt.
So und jetzt darf mir meine Namensvetterin Andrea in der Samstagsplauschrunde einen schönen warmen Kakao reichen. Der Herbst hat doch seine wunderschönen und leckeren Seiten, oder?

Euch allen ein herbstlich buntes Wochenende!

Freitag, 15. September 2017

Eye - Poetry # 09 - Die kreative Herausforderung für September / Oktober


Stimmt, ich bin einen Tag zu früh dran. Irgendwie bin ich ein bisschen aus dem Rhythmus geraten, das ist mir leider gerade zu eigen. Aber andererseits halte ich so unsere Eye-Poetry ein bisschen aus dem Wochenend-Gedrubbel heraus...

Ich habe lange um das Gedicht dieser 9. Ausgabe der Challenge gerungen, vielleicht, weil ich noch mitten in der Tätigkeit für die Eye-Poetry #08 beschäftigt bin. Da hängt man irgendwie noch mit den Gedanken fest.
Doch am Ende habe ich mich gewundert, warum ich nicht gleich darauf gekommen war.

Auch dieses Mal habe ich wieder ein Gedicht gewählt, eines was ich sehr liebe. Es stammt vom irischen (National-)Dichter und Literaturnobelpreisträger William Butler Yeats (1865-1939) und wurde 1899 veröffentlicht. Yeats war nicht nur Lyriker, sondern auch Essayist, Dramatiker, begründete das irische Nationaltheater, begeisterte sich für die keltische Mythologie und Magie, sammelte Volksmärchen etc.. Immer wieder wandelte er sich, war in der Lage, sich neu zu erfinden.
Das ausgewählte Gedicht gehört gewiss zu seinen kürzesten.


Er wünscht sich die Kleider des Himmels

Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher,
bestickt aus Golden- und aus Silberlicht,
die dunklen, die blauen und die hellen Tücher,
aus Nacht, aus Tag und aus der Dämmerung,
legt ich die Tücher dir zu Füßen.
Doch ich bin arm und habe nichts als Träume,
so leg ich meine Träume dir zu Füßen.
Tritt leise, denn du trittst auf meine Träume.

He wishes for the Clothes of Heaven

Had I the heaven's embroidered cloths,
Enwrought with golden and silver light,
The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light;
I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams:
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams

William Butler Yeats  


Am 15. Oktober werde ich  nachfragen, was Euch an interessanten Ideen in den Sinn gekommen ist. Vom 15. Oktober bis zum 14. November habt Ihr dann wieder Zeit zum Verlinken.

Hier noch einmal die Spielregeln:

Eure Möglichkeiten sind weit gefächert, je größer am Ende die Vielfalt, desto interessanter ist es doch.

* Eye Poetry - was ist damit gemeint?
"Lyrik fürs Auge" -  Literarisches für das Auge umgesetzt.

* Idee:
An jedem 15. eines Monats stelle ich ein Gedicht, ein Zitat oder ein kurzes Stück Prosa vor.
Wir haben einen Monat Zeit,  einen ganz persönlichen kreativen Weg zu finden, den Text für das Auge umzusetzen, zu interpretieren und in eine neue, eigene Form zu gießen.
Die Form ist frei. Möglich sind z.B.

- Foto, Fotoserie
- Darstellung in gemalter, gezeichneter, collagierter, gestempelter ... etc. Form
- künstlerische Installation oder Aktion
- Genähtes, gestricktes, gesticktes, gefilztetes etc. Objekt
- Filmchen
- ...

Es gibt keinen falschen oder richtigen Zugang, sondern nur einen ganz persönlichen.
Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um kreatives Schaffen, Spaß, Inspiration.
Jeder wählt die Form, die ihm gerade passend erscheint, an der er Spaß hat, wofür gerade die Zeit übrig ist. Und manchmal ist dann vielleicht auch der Zufall im richtigen Moment zur Stelle.

* Vorstellung
Teilnehmen könnt Ihr mit einem eigenen Blog-Posting. Am 15. des Folgemonats verlinkt Ihr die Darstellung Eurer Ergebnisse auf meinem Blog.
(Am besten, ihr sucht für das Thumbnail-Image, das dann hier auf dem Blog erscheint, Euer Ergebnis aus).
Spannend wäre es, wenn Ihr Eure Idee und den Weg dahin schildern würdet. Am Ende sollte auf jeden Fall das  Objekt / Foto/ Bild/ ... stehen mit dem zugrunde liegenden Zitat.

Bedingung ist nur, dass es keine älteren Beiträge sind und/oder die nicht in Zusammenhang mit unserem Projekt erstellt wurden. (Kommerzielle oder Werbung tragende Links sind unerwünscht, da bitte ich um Euer Verständnis).

Gern dürft Ihr diesen Button mit auf Euren Blog nehmen:


Viel Spaß! Wir treffen uns mit unseren Ergebnissen dann hier am 15. Oktober.

Mittwoch, 13. September 2017

Eye - Poetry # 08 - Zeigt doch mal her!


Ups, es ist schon wieder soweit. An jedem 14. eines Monats öffne ich an dieser Stelle die Linkparty für die jeweilige Eye-Poetry-Challenge. Dann habt Ihr immernoch vier Wochen Zeit, hier zu zeigen, zu was Euch unser literarische Text inspiriert hat. Und wer gerade erst hierher findet, kann noch problemlos einsteigen.
Die bisherigen Eye-Poetry Aktionen strotzten ja vor Überraschungen und tollen Einfällen.

Ich bin immer voller Bewunderung für Eure Kreativität. Fällt Euch immer gleich spontan etwas ein oder brütet Ihr länger über einer Idee?
Es wäre toll, wenn Ihr da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern würdet.

Passend zum heutigen Thema brauchte meine eigene Inspiration etwas länger zum Keimen und ist gerade erst dabei, die ersten kleinen grünen Spitzen zu zeigen.
Ja, dieses Mal nutze ich es aus, dass wir keine Hektik verbreiten wollen. In einer Woche kann ich Euch hoffentlich mein "zartes Pflänzchen" hier präsentieren.

Wintergarten

Deinen Briefumschlag
mit den zwei gelben und roten Marken
habe ich eingepflanzt
in den Blumentopf

Ich will ihn
täglich begießen
dann wachsen mir
deine Briefe

Schöne 
und traurige Briefe
und Briefe
die nach dir riechen

Ich hätte das
früher tun sollen
nicht erst
so spät im Jahr

Erich Fried


Jetzt bin ich sehr gespannt und neugierig, was Euch zu Erich Frieds Gedicht eingefallen ist.

Wie immer: falls Ihr Probleme beim Verlinken haben solltet, schreibt bitte den Link in Euren Kommentar, so dass ich versuchen kann, hilfreich einzugreifen.

Zusätzlich werde ich hier noch einmal die TeilnehmerInnen mit Namen und gleichzeitiger Verlinkung zum Anklicken aufführen. 



Dienstag, 12. September 2017

12 von 12 im September


1 Zum Frühstück gibt es meine selbstgebackenen Dreiecksbrötchen (nach ihrem Rezept, mein Lieblingsfoodblog)


2 Auf der Hunderunde habe ich die Sonne genossen, Herbstboten gesehen und eine gute, alte Bekannte mit ihrem neuen Hund aus dem Tierschutz getroffen. So wurde die Hunderunde um einiges länger als geplant. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen.


3 Der Lockenhund war mal  wieder vorbildlich lieb zu dem ängstlichen  vorsichtigen Hund aus Portugal. Deshalb gab es am Ende eine doppelte Abrufübung mit der Pfeife, da flogen die Ohren... (also die vom Hund, ich pass schon auf, dass beim Pfiff keiner neben mir steht, die englischen Pfeifen haben es in sich....)


4 Ein Fall von Tierquälerei... keine Sorge, daheim gibt es den Hundekuchen nach dem Absitzen ganz rasch, sonst wird die Sabberpfütze in der Küche zu groß. Trotzdem: Vorsicht, Rutschgefahr!


5 Schnell zum Einkaufen. Ja, ich parke meist bei den Brezelparkplätzen. Super- und Drogeriemarkt erspare ich Euch.

6 Doch schon wieder Zeitschriften beim Einkaufen und aus dem Briefkasten geholt.  Ich bräuchte noch zwei Stunden mehr am Tag zum Lesen, 24 Stunden sind zuwenig.


7 Beim Mittagessen fällt wieder mein Blick auf die wunderschöne Post von gestern. Danke liebe Eva. Dieser Sonnendruck ist wirklich bezaubernd!! Ich suche gerade nach einem guten Platz. Blau passt bei uns immer perfekt.


8 Resteverwertung am Nähtisch. Diese Jerseyreste reichten gerade noch für ein Shirt. Als nächstes sind Hosen dran. Vorher sollte ich den Nähtisch aufräumen!


9 Die Sweatshirtjacke braucht noch Druckknöpfe. Mal schauen, ob sich der liebe Mann heute Abend darum kümmert. Der kann das viel besser als ich (exaktes Arbeiten mit etwas Krafteinsatz geht bei mir meist daneben...)


10 Hunderunde ist schon wieder fällig. Die Wiese am Waldrand wird jetzt als Weide genutzt.   Oha, ich lege mich lieber nicht mit Bullen äh Stieren an. Ich halte es da wie der Lockenhund, Blick abwenden, langsam auf dem Weg weitergehen und froh sein, dass ein Stromzaun zwischen uns steht...


11 In Planung: Minihunderunde Nein, ich schrumpfe meinen Hund nicht. Soll heißen HundeMiniRunde bei Sonnenuntergang


12 In Planung: Abtragen des Bügelberges und danach Lesen

Was sonst so hierzulande an diesem 12. September geschah, könnt Ihr bei Caro (draußen nur kännchen) erfahren.





Samstag, 9. September 2017

Eckiges Etwas {Samstagsplausch}

"Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein,
als ein rundes Nichts."

Christian Friedrich Hebbel


GESAMMELT: eine minikleine Kastanie für meine Jackentasche. Die bleibt dort wieder bis zum nächsten Herbst (wird nur sorgfältig vor der Waschmaschine geschützt...)

GENERVT: das Hundemädchen ist läufig und vergibt gerade ihr Herz recht wahllos an Rüden (vom Dackel bis zum Aussie....)

GEÄRGERT: dass ich meine Kamera im Auto vergessen habe, das der liebe Mann in die Werkstatt brachte. Deshalb musste ich zwei Tage ohne Kamera überstehen, fast so schlimm wie ohne Handy.


GESEHEN: dass der Herbst mit Macht auch hier Einzug halten will

GEBACKEN: Brötchen. Wenn die Temperaturen sinken, erwacht auch meine Lust, wieder den Backofen anzuschalten.

GESCHENKT: bekommen - einen wunderschönen Blumenstrauß mit Artischockenblüten, Solidago und Löwenmäulchen


GEFREUT: dass das Tochterherz einen Bericht über den Tauschhandel im (sehr) ländlichen Vermont für den Blog geschrieben hat. Eigentlich ist das Tauschen doch eine wunderbare Idee.

GENÄHT: ganz ganz viel, denn der Herbst hat natürlich längst Vermont erreicht und die Mädels sind bestimmt schon wieder aus vielen Sachen herausgewachsen. Deshalb surrt hier die Nähmaschine ganz fleißig, denn das 10 kg-Paket will gefüllt sein. Puh, da bleibt kaum Zeit zum Bloggen oder Surfen im Internet. In der Pause hängt auch das neue Schwanenkleid für das liebe I. ganz erschlafft auf der Gartenbank


GESCHWÄNZT: vor lauter Nähen bin ich noch gar nicht dazu gekommen, mir etwas für die Eye-Poetry # 08 auszudenken. Nur kein Stress, die Verlinkung öffnet erst am 15. September und bleibt dann einen Monat offen, auch für mich.... (deshalb lohnt es sich, auch hier nochmal reinzuschauen)

GELAUFEN: morgens wieder größere Runden mit dem Hund. Das tut so gut.

GEWUSST: dass ich lieber ein eckiges Etwas bin


Heute soll es hier viel regnen. Mal schauen, ob wir noch trockenen Fußes über den Wochenmarkt laufen können. Morgen bekommen wir Besuch aus Vermont, ein guter Freund und Bekannter der Tochterfamilie ist gerade am Bodensee und schaut bei uns herein.

Mal schauen, was bei Andreas Samstagsplausch so los ist. Wenn es wieder kälter und nasser wird, dann wird es dort in der Runde gewiss auch wieder recht gemütlich.

Freitag, 8. September 2017

Geld oder Tausch - eine gute Kinderfrage {Blickwinkel Vermont}

Heute gibt es hier mal wieder einen Blick hinüber über den Teich nach Vermont. Mal schauen, was meine Tochter so zu berichten hat....



Vor einigen Wochen fragte meine große Tochter mich, warum es Geld gibt.
Eine Frage, eher nebenbei gestellt, deren Beantwortung eine Weile dauerte. Ich musste weit ausholen

Der Grund warum sie gefragt hatte,  war aber kein Interesse für die Geschichte des Geldes, sondern weil sie Geld für überflüssig hält. Ihrer Meinung nach braucht kein Mensch Geld.
Bin ich ein schlechtes Vorbild für meine Kinder, weil ich Milch, Eier, Fleisch, Gemüse und einiges andere eintausche?  Tauschhandel ist faszinierend.
Sicher, theoretisch ist er vom Staat ungern gesehen,  aber er ist praktisch und hier weit verbreitet. Und meist handelt es sich um den Tausch von kleinen Mengen (auch wenn der Tausch oft regelmäßig stattfindet).
Auch Auto reparieren wird oft gegen Babysitten “getauscht”. Selbst bei Mechanikern, die ihre eigene Werkstatt haben. Ist das auch Tauschhandel? Kann man so was verbieten?
Oder der Tausch von Eingemachtem? Gang und Gäbe, aber insgesamt käme da sicher eine Menge Geld bei raus, wenn man das versteuern würde.

Ich weiß nicht, ob überall auf dem Land Tauschgeschäfte so verbreitet sind wie hier, aber hier beginnen schon die Kinder damit in ihren Spielen.
Im Prinzip ist das nicht verboten, aber man muss es eigentlich bei der Steuererklärung eintragen und für jede Art von Tauschhandel (“bartering”) ein anderes Formular ausfüllen

Im vergangenen Sommer tauschte ich Brot auf Höfen gegen deren Erzeugnisse. Unterstütze ich damit nicht die lokalen Bauern? Kann das schlecht sein nur weil der Staat dabei nichts dabei verdient? Wieviel von dem Geld, das Bauern verdienen, wird wirklich versteuert? Eine der Bäuerinnen trägt immer ein, wenn ich Milch nehme, als habe ich ihr dafür Geld und nicht Brot gegeben,

Ihr seht woher die Frage meiner Großen kommt, aber sie muss ja trotzdem lernen mit Geld umzugehen (mit ihren sieben Jahren erarbeitet sie sich das Taschengeld, ist aber eher mäßig interessiert). Sie ist gut in Mathe, tut sich aber schwer mit Geld.
Vielleicht sollte ich sie beim Markt bei den Bauern einkaufen lassen, die Geld von uns bekommen. Und das Tauschen wird auch in Zukunft dazugehören.

Als sie mir sagte, warum sie mir die Frage gestellt hatte, nahm ich ihr eine Illusion: Die Menge an Milch, Eier, Gemüse etc. die iwir uns nehmen können ohne Geld, basieren auf dem Verkaufswert und genauso mache ich das auch mit dem Wert des Brotes. Sie schwieg eine Weile. Und sagte dann, dass es aber viel lustiger sei ohne Geld. “Die Leute die das  Propangas bringen, brauchten ja schließlich auch Essen und Autoreparaturen"


Viel Spaß beim Tauschen und bei Kinderfragen

Eure Liv

Samstag, 2. September 2017

Wer die Wahl hat.... {samstagsplausch}

"Ich liebe Politiker auf Wahlplakaten. 
Sie sind tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen."

Loriot (Vicco von Bülow)


GENOSSEN: Warme, trockene Abendrunden mit dem Hund. Bei dem derzeitigen Regen mag auch der Lockenhund abends nicht mehr raus...

GEFUNDEN: schon so manche deutliche Herbstboten. Nunja, wir haben ja jetzt schließlich September...


GENÄHT: Kuschelige Jacken, Pullover und Schlafanzüge für die Lockenmädchen

GEKAUFT: eine Thermojeans für mich. Es war die letzte in meiner Größe, offensichtlich bin ich nicht die einzige, die sich schon vor der Winterkälte wappnen will.

GESPROCHEN: mit einem weiteren Facharzt und ihm ein bisschen Blut zum Rätseln dagelassen. Mal schauen, ob sich sein Fragezeichen im Gesicht zu einem Ausrufezeichen wandelt.


GETRAGEN: angesichts von Riesenpfützen zum ersten Mal seit Monaten mal wieder Gummistiefeletten (für die Stiefel ist es mir einfach noch zu warm).

GEFRAGT: ob ich angesichts dieses Schildes lachen oder weinen soll. Frei zugängliche Stellen zum See sind selten (notfalls kann hier darüber fast ein Krieg ausbrechen...) . Wer im See schwimmen will, muss sie kennen oder das Strandbad besuchen. Ein Traum: rund um den See ein Streifen von fünf bis zehn Metern, der für alle Menschen zugänglich ist (Ob ich gewählt würde, wenn ich das auf mein Wahlplakat schreiben würde?)


GELESEN: Ken Follet: 'Die Kinder von Eden'. Jetzt bin ich auf den ersten Seiten von Sophie Divry: 'Als der Teufel aus dem Badezimmer kam'

GETESTET: Wahlomat und Wahlnavi. Fand ich witzig, die beiden waren sich nicht einig.... Lasst Ihr Euch von solchen Dingen beeinflussen?


GEKOCHT: Kürbissuppe (kein Entrinnen, die Kürbiszeit in meiner Küche ist eingeläutet) und Gebackene Sußkartoffeln,Kartoffeln und Kürbis mit Feigen und Ziegenfrischkäse. Herbstküche ist toll.

GEHÖRT: Wer viel putzt lebt gefährlich! (Gut, dass ich mich da immer an eines meiner Lieblingszitate gehalten haben: "A clean house is a wasted life").

GESAMMELT: Himmelsblicke. Der Augusthimmel ist hier am See einfach fantastisch. Ob der September mithalten kann? Das Foto unten ist nicht gephotoshopt.


Ich hätte mal wieder Lust an diesem Wochenende Brot oder Brötchen zu backen. Irgendwie fehlte mir in den letzten Wochen der Antrieb dazu. Klar, wer macht mit Freude den Backofen an, wenn es draußen über 30 Grad ist. Ich jedenfalls nicht.

Mal schauen, was bei Andreas Samstagsplausch so los ist. Sie  hat übrigens auch ein ganz feines Lesezimmer mit interessanten Buchrezensionen.
Holt Ihr Euch auch manchmal Büchertipps auf Blogs?

Donnerstag, 31. August 2017

Monatscollage im August

"Ich bin bekannt für meine Ironie.
Aber auf den Gedanken, im Hafen von New York eine Freiheitsstatue zu errichten,
wäre selbst ich nicht gekommen."

George Bernard Shaw


 Im August

* habe ich den Garten und die Natur genossen
* bin ich endlich wieder in der Lage gewesen, mehr mit dem Hund unterwegs zu sein z.B. am See
* gab es so herrliche Sonnenuntergänge zu bewundern
* war es oft so heiß, dass stets Wasser für den Lockenhund mitgeführt werden musste
* konnten wir Feines im Garten ernten
* gab es lieben Besuch
* war ich mal wieder auf der Ärzterunde
* habe ich mich meiner normalen Stimme in Riesenschritten angenähert   
* las ich zwei große aktuelle Romane über die USA (C. Whitehead: Underground Railroad, O. El Akkad: American War)
* freute ich mich über die tollen Ergebnisse der Eye-Poetry # 07 und gab Euch ein Gedicht von Erich Fried mit auf den Weg (Eye-Poetry #08

verlinkt bei Birgitts Monatscollagen

Mittwoch, 30. August 2017

12tel-Blick(e) im August

Es ist schon wieder Zeit für meine "12tel-Blicke"   Zeit, um mich an meine diesjährigen drei Fotostandorte zu begeben. Das Wetter präsentierte sich im August ja recht wechselhaft, von allem war etwas dabei: Hitze mit Temperaturen über 30 Grad, Gewitter mit Sturm, Regen und Hagel, der erste morgendliche Nebel.

Am ersten Standort waren wir dieses Mal nicht alleine unterwegs.


Am See, 24. August, 9.30 Uhr, 
21 Grad, es wird immer sonniger


Auf jeden Fall ist es am Seeufer immer unterhaltsam. Blässhühner, Enten, Schwäne und Schmetterlinge lassen sich beobachten, Schiffchen und Boote sind auch morgens schon auf dem Wasser. Schön, dass hier auch die Allgemeinheit ans Seeufer gelangen kann und nicht wieder alles in Privatbesitz ist.  


Am nächsten Standort ist nicht viel los. Das Feld hinter mir ist abgeerntet, gepflügt und neu eingesät.
Sonst gibt es nicht viel Neues. Eigentlich ist der August ja auch eher ein statischer Monat.


Schlösschenblick, 6. August, 15.50 Uhr,  
27 Grad, sonnig und sehr warm


Das Barockschlösschen, welches hier im Standortfoto im Hintergrund seht, stammt aus dem Jahr 1699 und war früher Sitz des Oberhofmeisters des Bistums Konstanz, danach hat es eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Zum Beispiel waren im ersten Weltkrieg hier russische Kriegsgefangene untergebracht, danach nutzte man es als Kinderheim und als Flüchtlingsunterkunft. Nach mehreren umfangreichen Renovierungen dient es heute als Hotel und Veranstaltungsort.


Streuobstwiesen, 21. August, 16.05 Uhr, 
23 Grad, warm mit Wölkchen


Da in den Streuobstwiesen gemäht wurde, war der Landwirt mit dem Traktor unterwegs.
Gehen wir mal näher heran: jetzt sieht man, dass die Äpfel von unseren 12tel-Blick-Bäumen sich der Reife nähern und schon einiges an Fallobst abgegangen ist. Unsere alten Hunde hätten sich die besten rausgesucht, doch der Lockenhund ist da wählerischer...



Allmählich wird die Zusammenstellung immer länger und ab September vermutlich auch wieder bunter und veränderlicher...



Am 30. jedes Monats bietet Tabea  auf ihrem Blog eine Plattform für alle Teilnehmerinnen dieses feinen Fotoprojektes. Danke, Tabea!