Sonntag, 31. Januar 2016

Sonntagssplitter # 05

Der Zeisig

War einmal ein winz’ges Ding,

So ein kleines Zitscherling,
Saß vergnügt auf seinem Aste,
Sang sein Lied wie es ihm passte.
Sprach die Amsel aus dem Wipfel:
"Ei, du dummer kleiner Zipfel!
Wer nicht besser singen kann,
Der fang’ lieber gar nicht an!"
Jener ließ sich nicht betören,
Sprach: "Es braucht nicht zuzuhören,
Wem mein Liedchen nicht gefällt ...
Groß genug ist diese Welt!
Darum lass’ mich doch in Frieden!
Mir hat Gott nicht mehr beschieden,
und ich singe früh und spät
So wie mir der Schnabel steht,
Weil ich lustig bin und heiter ...
Wer’s nicht hören mag, geh’ weiter!"

Heinrich Seidel


 Gehört:  Zeisig, Goldammer oder Grünfink? Wisst Ihr es vom Aussehen her? (In solchen Momenten denke ich immer, wie wenig wir eigentlich nur noch über die Natur wissen. Was man nicht kennt und schätzt, schützt man auch nicht... ) 



Gekauft: Den Frühling. Ohne etwas Wachsendes und Blühendes geht es im Januar einfach nicht.



Eingeweckt: Nein, ich bin keine Dekoqueen... Aber da fiel gerade die Kelleraufräumaktion mit dem Blumenkaufrausch auf denselben Tag


  
Gefunden: im Keller (s.o.) des Herrn H.'s Sammlung aus ganz frühen Jugendtagen. Ich bin froh, dass er sich bald darauf besonnen hatte, sein naturwissenschaftliches Interesse auf Steine zu verlagern. (Nein, auf die Diamanten- und Edelsteinsammlung bin ich bislang noch nicht gestossen., aber ich bin ja noch längst nicht mit dem Kellerausmisten fertig..)



Gesehen: gleich drei Kormorane beim Flügeltrocknen. 



Genossen: Januarsonne, die sich bei uns auch einmal gezeigt hat.  Einen imposanten Hund habe ich, gell?


Gelegt: ein Libanon-Zeder-Zapfen-Mandala. 



Gestolpert: über Schneeglöckchen, als ich eigentlich ein paar Bäume für Ghislanas Baumfreunde fotografieren wollte. Allerzarteste Krokusspitzen sah ich auch schon aufblitzen.



Geknipst: ein paar Nebelmaronibäume. Nebel ist ja manchmal recht öde, aber ein stimmungsvoller Fotohintergrund.




Ciao Januar!!

Samstag, 30. Januar 2016

Unspektakuläre Himmel

Wieder einmal hab ich den morgendliche Hauch zwischen Nebelgrau und Himmelblau durchfahren. Das ist immer wieder ein bezaubernder Augenblick, vermischt mit ein bisschen Frust, da ich mit dem Hund auf der Runde gerade die Grauzeit erwischt hatte.  



„Sonnenschein ist köstlich,
Regen erfrischt,
Wind kräftigt,
Schnee erheitert.
Es gibt kein schlechtes Wetter, 
es gibt nur verschiedene Arten von gutem.“


John Ruskin





Heute gibt es bestimmt spektakulärere Himmel als meine bei Katjas Himmelssammlung zu sehen. Schaut mal bei Ihr vorbei.
Ein schönes Wochenende! 

Freitag, 29. Januar 2016

12tel Blick im Januar

Seit Wochen schon zerbreche ich mir meinen Kopf, an welchen Ort ich dieses Jahr einmal im Monat mein Foto für die 12tel-Blick-Aktion aufnehmen soll.

In den vergangenen vier Jahren war ich draußen in der Natur unterwegs, an Weihern, am See, an schönen Aussichtspunkten. Es war eher mal der Zufall, dass mir ein Mensch durchs Bild lief, selbst am beliebten Bodenseeufer.
Doch dieses Mal wollte ich endlich ein städtisches Motiv suchen. Eines, wo auch mal das Leben tobt. Deshalb begab ich mich mitten in die Altstadt von Konstanz und wurde fündig.

Aber, wie das so ist, wenn ich irgendwo mein Monatsfoto schieße - plötzlich ist alles menschenleer...
Selbst hier, an einem Tag mitten in der Woche um 9.40 Uhr, verirrt sich nur ein Wartender auf den Platz, alle anderen Passanten sind wie auf ein Kommando in alle verfügbaren Schlupflöcher verschwunden. Nun ja, die meisten Geschäfte öffnen erst um 10 Uhr.

Doch irgendwie ist dies die städtische Morgenstimmung, die ich früher an Konstanz so liebte. Die Stadt reibt sich eben den Schlaf aus den Augen und gähnt. Ihr Tag kommt gerade erst in die Gänge. Als Make-up hängen schon die Fasnachtsbändel im Gesicht. Der Winter hatte letztens noch einen Hauch Schneepuder auf die Wangen gepustet, der aber mittlerweile alt und patschig geworden, fahl und schlaff wirkt, eher trist, denn attraktiv macht.
Die Gassen sind noch leer, nur ein paar mittelalterliche Geister verschwinden aufgescheucht durch das Tageslicht noch durch die Feuergassen zurück in die Nacht.

Mein Blick fällt hier auf den Konstanzer Obermarkt, ein recht geschichtsträchtiger Ort. Im Mittelalter befanden sich hier die Gerichtsstätte und auch der Pranger. 1183 schloss an diesem Platz Kaiser Friedrich I Barbarossa mit den Abgeordneten der Lombardischen Städte den „Konstanzer Frieden“. Die Fassade des „Haus zu hohen Hafen“ schmücken Wandbilder (v. Carl v. Häberlin, um 1900), die Szenen aus dem Mittelalter, der Zeit des Konzils und dem 19. Jahrhundert zeigen. Das Haus selber wurde bereits 1420 erbaut.  
(Und was hat Barbarossa, sein Gefolge und die Gesandtschaft nach dem Friedensschluss gemacht? Sie sind in die Schenke nebenan gezogen und haben ihn feuchtfröhlich begossen).
Eine Stunde später wird es hier anders aussehen, denn die Kassen Konstanzer Geschäfte klingen heutzutage unverdrossen fleißig durch den starken Schweizer Einkaufstourismus




Gut, in den nächsten Monaten werden wir ja die Gelegenheit haben, auch zu anderen Uhrzeiten, an anderen Tagen der Woche hier vorbei zu schauen.

Bis dahin bleibt uns ein bisschen Januarmorgentristesse...

Tabea betreut dieses feine Fotoprojekt und sammelt an jedem 30. eines Monats die Fotos aller TeilnehmerInnen auf ihrem Blog. 
(Vielen Dank, liebe Tabea! Es ist jedes Jahr wieder eine große Freude.)








Montag, 25. Januar 2016

Zärtlichkeiten, ungenau...



Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,


greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.


Rainer Maria Rilke



Wenn mein fast lockenloser, fast nackter Hund, der schon vor zwei Wochen mit dem Fellwechsel begann, recht hat, dann könnte jetzt der Vorfrühling vor der Tür stehen.
Lassen wir ihn herein, der Schneemann sieht all zu desolat aus. 

Des Winters letzte eisiige Träne schicke ich zu Brittas MakroMontag.

Sonntag, 24. Januar 2016

Sonntagssplitter # 04 & Winterbäume

„Wir gehen mit dieser Welt um, als hätten wir noch eine zweite im Kofferraum.“ 

Jane Fonda



Gegrübelt: das ist doch ein Rotkehlchen, oder? Ich habe einige in der letzten Zeit gesehen, aber dieses hatte so einen strahlend, fast weißen (Winter)bauch.  



Gewünscht: mir in der Sonne sitzend, mit einer wärmenden Decke draußen ein Tässchen Kaffee oder Tee zu gönnen. Es sah sooo verführerisch in der Morgensonne aus... Leider raubten mir eineinhalb Stunden Wartezeit bei einer Fachärztin die Zeit.
Genervt: dass ich dabei meinen Ebook-Reader nicht dabei hatte und mich durch etliche Medizinzeitschriften lesen musste. Nachher fühlt man sich dann so richtig krank (das Gefühl trog dann aber.)


Gekauft: einen Roman und zwei Kochbücher, hauptsächlich vegetarisch, z.B. dieses Feine  und jenes spannende Schwergewicht .  

Geplant und schon eingeführt: das Fleisch bis auf ein absolutes Minimum aus dem Speiseplan zu streichen


Gestaunt: über heranrollende Schneewolken, kleine Schnee- und Eiswunderbarkeiten (schaut mal diese Eissplitter oben neben den Halmen an, oder diese feine Eisoberfläche auf dem Teich...)



Gelacht: über Dinge, die mir unbeabsichtigt vor die Linse geworfen werden (habe ich aber erst am PC entdeckt)


Geordnet und endlich geschafft: alle Bücher, Regal um Regal, manches aussortiert, Vergessenes wiedergefunden, danach
Gebraucht: frische, kalte Luft nach so viel Papier und Staub


Geärgert: dass schon wieder so viele Bäume der hiesigen, übertriebenen Holzfällaktionen zum Opfer fallen

Gedacht: bevor sie diese wunderschönen alten Obstbäume auch noch umhauen, stelle ich sie rasch in Lottas Sammlung von Winterbäumen (Fotoakion Bunt ist die Welt):

„Mit den ersten Bäumen, die gefällt werden, beginnt die Kultur.

Mit den letzten Bäumen, die gefällt werden, endet sie.“ 



Wie unterschiedlich dieser Baum bei anderem Licht wirkt. Ich mag diese Baumindividualisten!


Manche Bäume auf der Streuobstwiese bieten einen Durchblick auf die Schneelandschaft.


Keine Obstbäume, dafür drei eisige Grazien...


Noch nicht vom Winde verweht dank Wurzelkraft.


So. Jetzt ist wohl erst einmal Schluss mit dem Winter. Oder möchtet Ihr noch einen Nachschlag?



Samstag, 23. Januar 2016

Schnee im Anzug

Nein, kein Schneemann im Anzug...
Wie schnell sich hier am See das Wetter ändern kann und wie gut dieses zu beobachten ist, konnten wir letzten Sonntag erleben.
Sonne und leicht bewölktes Himmelblau lockten zu einer langen Hunderunde. Doch der Blick zurück auf den See ließ einen erstarren, vor Begeisterung und auch ein bisschen vor Erschrecken. Noch wurde Gold auf die Halbinsel Mettnau und die Höri gegossen, da rollte schon von Norden eine dunkle Wand heran. Da war Schnee im Anzug. Stück für Stück arbeitete sich die schneebringende Wolkenwand vor und schob sich vor die Sonne...  Fasziniert war ich vor allem von der Geschwindigkeit, in der sich dies vollzog.





Wolkenfreien knallblauen Winterhimmel mit Sonne ist diese Woche aber mein Favorit gewesen. Nicht so spektakulär für ein Himmelsfoto, aber soooo wohltuend. 


Abends konnte man dann auch mal wieder ein Orangenbad im See nehmen.


Katjas feine himmlische Sammlung ist wieder meine Samstagsfreude.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Hallo, wer bloggt denn da? Mila von "Creatures and Creations"

"Creatures and Creations" - hört sich das nicht irgend wie nach irrwitzigen Kreaturen und spannenden Kreationen an? dachte ich, als ich zum ersten Mal diesen Blognamen las,und meine Neugierde war geweckt. So folgte ich Mila und staunte über ihre fantasievollen Werke aus Wolle und anderen Materialien und fand großen Gefallen an ihrem Stil der Handarbeit und ihren Blog zu führen.
Dass sie nicht nur Häkel-, Strick- und Nähnadel sicher und fein zu verwenden weiß, sondern auch ebenso künstlerisch mit der Sprache arbeitet, wird sie Euch gleich selber erzählen.
Hallo, liebe Mila!

1.    Erzählst Du uns ein bisschen von Dir? Was machst du so, wenn Du nicht bloggst?

Ich verdiene mein Geld damit, fürs Fernsehen zu schreiben. Mehr oder weniger zum Vergnügen schreibe ich manchmal Romane. Ansonsten habe ich zwei Kinder, treffe mich gerne mit Freunden und Freundinnen, engagiere mich vielfältig in meiner Stadt und handarbeite mit Leidenschaft. Im Sommer wühle ich am Wochenende öfters in der Gartenerde, doch meine großen Erwartungen hinsichtlich der möglichen Erträge sind mittlerweile stark geschrumpft.

2.    Creatures and Creations heißt Dein Blog. Wie bist Du auf den Namen gekommen und warum hast Du die englische Version gewählt?

Alle Namen, die ich mir im Vorfeld überlegt hatte, waren schon belegt, als ich versucht habe, mir meine Adresse zu sichern. Ich wollte aber unbedingt schnell losbloggen, deshalb habe ich improvisiert. Insofern steht hinter dem Namen ehrlich gesagt nicht viel an Überlegungen. Dass der Name englisch ist, hat neben den oben genannten Gründen damit zu tun, dass ich den Blog auch für meine amerikanische Freundin Lynn, die in Italien lebt, begonnen habe. Zu Beginn habe ich immer brav auf Deutsch und Englisch geschrieben, das ist mir aber zu arbeitsreich geworden. Lynn guckt sich auch gerne die Fotos an.

3.    Wie hast Du zum Bloggen gefunden? Wie bist Du darauf gekommen, Dein handwerkliches Schaffen ins Zentrum zu stellen?

Ich habe vor ein paar Jahren schon mal gebloggt. Zusammen mit drei anderen Schriftstellerinnen über unsere Schreibprozesse. Nach einer Weile sind uns die Themen ausgegangen. Es ist recht langweilig, auf Dauer über das Schreiben zu schreiben. Ansonsten handarbeite ich viel, es war naheliegend dies bzw. den kreativen Prozess als solchen in den Fokus meines eigenen Blogs zu rücken.



4.    Du wohnst in Köln. Was ist Heimat für Dich, was bedeutet sie dir? Könntest Du Dir auch vorstellen ganz woanders zu leben?

Köln ist eine tolle Stadt mit vielen sehr offenen Menschen. Der Begriff „Heimat“ ist mir persönlich zu negativ besetzt, aber Köln ist mein Zuhause. Ich hätte sicher auch in vielen anderen Städten oder Orten mein Zuhause finden können, doch jetzt möchte ich nicht mehr hier weg.

5.   Was macht deine kreative Arbeit mit Materialien, z.B. Häkeln so anders, als die Arbeit mit Worten? Wie behältst Du den langen Atem für deine Großprojekte?

Das Schreiben ist eine extreme Kopfarbeit. Ich kann daher schlecht abschalten und denke ständig über meine jeweiligen Projekte nach. Indem ich meine Hände beschäftige, lasse ich die Gedanken abschweifen und wandern. Ich erlebe die Handarbeit als eine Möglichkeit, meine Gedanken fließen zu lassen. Sie braucht Zeit und eine gewisse konzentrierte Ruhe, und genau das macht sie für mich so wertvoll. Ansonsten ist mein Leben recht atemlos, ich fühle ich mich viel zu oft gehetzt. Die Handarbeit bringt mich wieder runter, bringt mich zu mir selbst. Der lange Atem ist vor allem Selbstdisziplin geschuldet. Und meinem Wissen, dass manche Projekte eben einfach länger dauern, so schnell gebe ich dann nicht auf. Es ist auch nicht schlecht, sich selbst ein bisschen unter zeitlichen Druck zu setzen (beispielsweise indem klar war, an dem und dem Tag muss die Häkelkrippe aufgebaut werden), aber das läuft meiner eigentlichen Freude an der Handarbeit dann schnell zuwider.



6.    Mit der Häkelkrippe, die Du für den 20. Kölner Krippenweg gefertigt hast, lässt Du uns in eine ganz besonders zauberhafte Welt eintauchen, lässt uns nochmal Kind sein. Woher hast Du Deine Inspirationen dafür geholt?

Inspirationen springen mich gerne überall an. Im Sommerurlaub in Ligurien habe ich überlegt, was ich für Tiergestalten für die einzelnen Krippen-Figuren wählen soll. Dabei bin ich ständig an kleinen Gotteshäuschen mit Madonnenfiguren vorbei gekommen. Deren lieblich-mildes Lächeln konnte ich allerdings so gar nicht mit dem in Verbindung bringen, was ich mir unter einer Frau wie Maria vorstellte. Schließlich hat sie hochschwanger die Flucht angetreten und zahlreiche Entbehrungen auf sich genommen, um ihr Kind zu retten. Für mich muss eine Frau wie Maria stark gewesen sein. Zäh vor allem. Und dann erblickte ich plötzlich eine Marien-Statue, deren Gesicht mit Filzstift nachgemalt war. Und so grimmig entschlossen, wie diese Maria dreinschaute, sollte meine auch werden. Plötzlich stand fest, meine Maria wird eine Löwin. Mit Josef war es ähnlich. Ich musste an das Weihnachtslied denken, in dem Maria ihn bittet, ihr dabei zu helfen, das Kind zu wiegen. Und in dem er ganz jämmerlich antwortet, dass er ja selbst kaum die Finger biegen kann. Irgendwie konnte ich ihn mir nicht als solches Weichei vorstellen. Mich hat gestört, dass er lächerlich gemacht wird, weil Maria ihm das Kind eines anderen angehängt hat. Jedenfalls fand ich, dass Josef ein toller Mann gewesen sein muss. Nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen, entschlossen aus Menschlichkeit etwas durchzuziehen, egal was es ihn persönlich kostet, sehr loyal seiner Frau gegenüber. Für mich stand dann fest, Josef wird ein Bär.

7.    Welche Materialien faszinieren Dich besonders und warum? Häkeln galt lange Jahre als altmodisch. Du hast es mit deinem ganz eigenen Stil aufgefrischt. Wie würdest Du ihn in wenigen Worten beschreiben?

Es freut mich ja sehr, dass du einen eigenen Stil bei meinen Sachen erkennen kannst. Ich selber finde, dass ich immer noch auf der Suche danach bin. Vielleicht habe ich insofern einen eigenen Stil, dass es mir nie darum gegangen ist, bloß nette kleine Tierchen zu häkeln. Ich wollte immer schon Geschichten mit ihnen erzählen. Meine Häkelwelten haben in meinen Augen zudem etwas sehr melancholisches. In ihnen sind all die Spielzeuge und Geschichten versammelt, die ich meiner ersten, verstorbenen Tochter nie schenken und nie erzählen durfte.



8.    Du bist u.a. auch schriftstellerisch tätig. Fließen Elemente aus deiner Leidenschaft zur Handarbeit gelegentlich auch ins fiktionale Geschehen mit ein? Und – inspiriert Dich gelegentlich auch Literatur beim kreativen Schaffen mit Materialien?

Oh ja, bevor ich mich den Handarbeiten intensiver im realen Leben gewidmet habe, habe ich das Thema beim Schreiben diverse Male verarbeitet. In meinem Roman „Irgendwie mein Leben“ näht die Hauptfigur an einer Erinnerungsdecke, in der sie eigene Kinderkleidung sowie Babysachen verarbeitet, die sie für ihre verstorbene Tochter gekauft hat. Und in dem Roman „Morgen bist du noch da“ ist die Heldin eine Künstlerin, die mit textilen Materialien arbeitet, während ihre Freundin aus alten Kleidern neue Mode entwirft.
Was den Einfluss von Literatur auf meine Handarbeit angeht, so möchte ich dies noch ausweiten. Bisher habe ich mit meinen Häkelkreaturen vor allem Märchenfiguren aufgegriffen oder beispielsweise auf Moby Dick angespielt. Ich überlege aber auch, gestickte Illustrationen für meine bisher unveröffentlichten Kurzgeschichten anzufertigen. Mal sehen, vielleicht gedeihen diese Überlegungen dieses Jahr etwas weiter.

9.    Ein Zitat aus „Alice in Wonderland“ von Lewis Carroll heißt Deinen Blogleser willkommen. Warum hast Du es gewählt? Hat Dich dieses Buch besonders berührt?

Menschen, die intensiv handarbeiten, haben in den Augen von anderen Menschen ja schnell was Exzentrisches und Verrücktes an sich. Mit dem Zitat will ich vor allem darauf hinweisen, dass in meinen Augen viel zu wenig Menschen hierzulande exzentrisch bzw. verrückt sind. Ansonsten habe ich für meine Kurzgeschichten u.a. in Oxford recherchiert und dafür im Christ College gewohnt. Genau dort befindet sich die Tür, durch die Alice ins Wunderland verschwunden ist, bzw. die Tür, die Lewis Carroll unter anderem zu der Geschichte inspiriert hat.




10.  Kann auch das handwerkliche und handarbeitliche Schaffen die Welt ein wenig besser machen, z.B. Grenzen kultureller Art überwinden?

Das ist eine interessante Frage. In erster Linie wird diese Welt natürlich nur besser werden, wenn Reichtümer gerecht verteilt werden und endlich niemand mehr von Kriegen profitiert. Aber im Kleinen spielt Handarbeit/ Handwerk schon eine gewisse Rolle. Wenn ich handarbeite (oder auch Gemüse anbaue und es einmache oder ein Möbelstück fertige und und und...) dann weiß ich den Aufwand, der in Dingen steckt, die wir für selbstverständlich und leicht konsumierbar halten, erst wirklich zu schätzen. Und dann komme ich ins Grübeln darüber, wie es sein kann, dass diese Dinge für uns so billig sind. Und das Nachdenken bringt mich auf kritische Nachfragen, wer die Dinge denn hergestellt hat und zu welchen Bedingungen usw. Zudem steckt in Handarbeiten/ im Handwerk ein großer kommunikativer Aspekt. Ich tausche mich mit anderen Menschen aus. Und durch den Austausch öffne ich meine Augen für sie und ihre Lebensvorstellungen und -bedingungen. Nachdenken und Kommunikation miteinander, das sind schon Aspekte, die einiges in der Welt besser machen könnten..

11.   Wenn keiner hinsieht, dann

... lege ich mich gerne noch mal ins Bett, lese, häkel oder sticke ein bisschen, bevor ich endgültig aufstehen muss.



12.  Bloggerfrage von Ulma: Welchen für dich essenziellen Gegenstand hast du in mehrfacher Ausführung immer zur Verfügung, ohne dir ihn jemals selbst gekauft zu haben? (Gummiringerl und Kugelschreiber gelten nicht, hehe.)

Zur Hand habe ich eigentlich keinen, bzw. alle essenziellen Gegenstände habe ich mir selber gekauft. Aber meine Füße treten im nackten Zustand gerne mal auf Legosteine. Und diese Steinchen würden meine Kinder schon als nahezu essenziell bezeichnen. Und ich habe nichts davon gekauft.

13.  Welche Frage würdest Du gerne der nächsten Bloggerin, die auf meinem Blog vorgestellt wird, weitergeben?

Hast du ein Lieblingsmärchen - oder eine Lieblingsgeschichte? Welches Symbol fällt dir ein, das dafür stehen könnte? (Strenggenommen sind es zwei Fragen...)


Ganz herzlichen Dank, liebe Mila für Deine interessanten Antworten. Komm, lass uns mit einem Zitat aus "Alice in Wonderland" enden. 

“Have I gone mad?

I’m afraid so, but let me tell you something, the best people usually are.” 



Dienstag, 19. Januar 2016

Blickwinkel Vermont - No.2

Anfang des Monats hatte ich Euch versprochen, dass Ihr durch meine Tochter nun regelmäßig einen Einblick in das Leben in Vermont /USA bekommt. Dann lasst uns mal schauen, was der Winter 5470 km (Luftlinie) entfernt von Deutschland, (3400 miles as the crow flies) gerade so treibt.. Die Wettervorhersage für heute sagt für die dortige Gegend tagsüber -10 Grad und nachts -15 Grad C. voraus. 

Winterschönheit

Danke für eure netten Kommentare bei meinem ersten kleinen Bericht aus Vermont.
Ich habe keinen eigenen Blog, weil ich zu unregelmäßig Zeit finde  um Fotos zu machen und einen Text zu verfassen. Vielleicht wenn die Kinder etwas größer sind...
Umso mehr freute ich mich, als mich Andrea fragte, ob ich nicht mal Lust hätte ab und an bei ihrem Blog mit zu machen.

Heute teile ich ein paar Perlen des Winters.
Wenn man sich einmal an die Kälte und den Winter gewöhnt hat, kann man die Wintersonne auch draußen genießen. Hier sagt man "there's no bad weather, only bad clothing". Dem schließe ich mich an (gut, Ausnahmen wären Unwetter...)

Hier nun ein paar Winterschönheiten:


* Das Eis auf einem kleinen Bach, drunter sieht man das Wasser noch fließen




* Die Eichhörnchen-Rennbahn.


Einer unserer Lieblingsbäume. In den Hohlraum am Fuß des Baumes passen zwei Kinder in dicker Winterkleidung.


Wenn die Sonne scheint, tropfen an manchen Tagen die Eiszapfen.


Andere Tage bringen mehr Wind und Schnee. Was fast wie Nebel anmutet, ist nur wirbelnder Schnee, bei unter minus 10 Grad findet man keinen Nebel.


Nur wenige Stunden später bricht dann die Sonne durch und der Schnee wirbelt im Sonnenschein.


Leider kann ich meine Kinder bei windigem eisigen Wetter nicht immer für im Sonnenschein wirbelnden Schnee begeistern, aber wenn man sich auch mal im Dickicht vor dem Wind verstecken kann, kommen sie gerne raus und finden Tierspuren, Farne die in Form einer Sonne aus dem Schnee schauen und Bäume deren Rinde an die Haut von Elefanten erinnert.
Viel Spaß im Schnee!



Liebe Grüße Liv